Thanksgiving

Nachdem ich schon letzten Freitag die Fotos von Thanksgiving hier online gestellt habe, wollte ich jetzt kurz auch noch ein paar Worte dazu verlieren.

Thanksgiving ist für den waschechten Amerikaner das größte Fest im Jahr. Schon mehrere Tage vorher wird hier alles an Essen eingekauft was man für Fest braucht, denn im Grunde genommen geht es bei Thanksgiving nur um zwei Dinge. Da wäre erstens die Familie und dann als zweites das große Essen mit Truthhahn, Stuffing (Füllung) und Cranberry sauce (Preiselbeersoße). Aber das sind sozusagen nur die drei Grundzutaten für das Essen, dazu kommen meistens noch viele andere, mal mehr oder mal weniger, leckere Dinge.

Da wie schon gesagt Thanksgiving auch das Fest der Familie ist, wurde es hier in der letzten Woche vor Thanksgiving ziemlich ruhig in der Stadt und auf der Arbeit. Viele nehmen sich Urlaub und fahren raus zum großen Familientreffen, bei den Eltern. Den Thanksgiving ist für die Amerikaner das, was Weihnachten für uns in Deutschland ist, die Zeit im Jahr um mal wieder die Familie zu sehen und in Erinnerungen zu schwelgen.

Zwar habe ich hier keine Familie in den USA, aber trotzdem durfte ich am eigenen Leib sozusagen, dass große Chaos vor dem Essen und die Herzlichkeit der Menschen danach, bei unserem Thanksgiving Banquet von DOROT miterleben. Das Banquet veranstaltet DOROT jedes Jahr den Sonntag vor Thanksgiving und es sind alle Senioren vom Main Office eingeladen, sowie auch unsere Klienten vom HPP.

Zu dem Banquet kamen dieses Jahr an die 300 Senioren und über 100 weitere Freiwillige, die den Senioren an den Tischen ihre Essen gebracht haben und sie mit allem versorgt haben was sie brauchen. Ich hingegen hatte die große Ehre das Banquet in der Küche mitzuerleben und dort mitzuhelfen innerhalb von knapp 20 Minuten die 300 Essen für unsere Senioren fertig zu machen und nach draußen in den großen Saal zu bekommen. Dabei mussten wir allerdings nicht aus der Küche rausgehen, da die Freiwilligen uns eher die Küche einrannten, um an das Essen zu kommen, weswegen wir vor unserer Tür sozusagen sogar eine Security in Form einer Mitarbeiterin von DOROT hatten.

Nachdem wir mit einer kleinen Fischvorspeise begannen, danach die Hauptspeise, den Truthahn mit Stuffing und grünen Bohnen, sowie zum Schluss jeder noch ein Stück Kuchen und Kaffee bekommen hatte durfte ich aus der Küche raus und mir das Treiben im Saal selbst anschauen. Dabei sahen mich dann natürlich auch sofort einige Klienten vom HPP und begrüßten mich herzlich, bedankten sich für das gute Essen und wünschten mir natürlich ein frohes Thanksgiving.

Es war toll all diese Menschen dort zu sehen wie sie sich unterhielten und einander wieder erkannten und begrüßten. Es war für das Gefühl auf einmal wie in einer riesen großen Familie gelandet zu sein und ich glaube das ist das Gefühl das Thanksgiving ausmacht, sich zu Hause zu fühlen.

Letzten Mittwoch, einen Tag vor Thanksgiving, veranstaltete dann noch Temple Emanu-El ein Thanksgiving Dinner und zudem waren auch unsere Klienten vom HPP eingeladen. Da Temple Emanu-El allerdings auf der East Side liegt und wir aber auf der West Side sind, wollte Elazar, dass ich unsere Klienten mit zu dem Dinner begleite und damit auch die andere Seite erlebe, nämlich selbst am Tisch zu sitzen und etwas zu essen zu bekommen.

Temple Emanu-El ist eine Synagoge die Ursprünglich von Deutschen Einwanderern gegründet wurde und heute sehr bekannt ist auf der East Side. Die Synagoge liegt direkt an der Fifth Avenue gegenüber vom Central Park. Das besondere an Temple Emanu-El ist, dass sie sehr liberal sind gegenüber der heutigen Zeit und damit einige Rituale abgeschafft haben, wie zum Beispiel das koscher Essen.

Somit gab es bei dem Dinner auch Süßkartoffelbrei und andere Dinge die mit Milch zubereitet waren, obwohl wir gleichzeitig Truthahn auf dem Teller hatten. Leider muss ich sagen das mir Süßkartoffel absolut nicht zusagen. Es ist für mich unglaublich komisch erst ein Stück Fleisch zu essen und dann etwas süßes hinterher obwohl ich eigentlich den Geschmack von Kartoffeln erwartet. Naja man kann nicht alles haben.

Das Dinner dort mit unseren Klienten die ich begleitet habe war sehr schön und die Klienten haben sich auch gefreut, dass ich sie zur East Side begleitet habe und sie nicht alleine den Weg suchen mussten. Außerdem war es auch schön für mich mal etwas Zeit mit den Klienten zu haben, denn bei den Dinners im HPP, bin ich immer eher damit beschäftigt beim Austeilen des Essens zu helfen und da fehlt meistens einfach die Zeit, um sich mal zu unterhalten.

Das war es dann auch schon fast von meinem Thanksgiving, denn an Thanksgiving selbst hatte ich kein großes Essen oder Familientreffen, wie die meisten hier, sondern habe mir die Macy’s Thanksgiving Day Parade angeschaut. Dafür musste ich schon morgens um 6:30 Uhr aus dem Haus. Denn als ich um ca. 7:00 Uhr an der Strecke ankam, war die erste Reihe an der Strecke schon komplett besetzt und das obwohl die Parade erst um 9:00 Uhr am Central Park losging und bei uns dann erst eine halbe Stunde später ankam. So hieß es den ganzen Morgen also auf der Stelle stehen um seinen Platz sicher zu haben und gute Fotos machen zu können.

Aber es hat sich gelohnt. Die Parade ist wie eine Art zweites Halloween oder vielmehr Fasching oder Karneval, denn alle die an der Parade teilnehmen sind verkleidet und machen den einen oder anderen Spaß mit den Zuschauern am Straßenrand. Ansonsten gab es natürlich auch noch die großen Ballonfiguren wie man sie kennt und viele Marching Bands, also Spielmannszüge von Highschools aus ganz USA. Aber was natürlich nie fehlen durfte, waren von jedem die Rufe:

Happy Thanksgiving!

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