Friendly Visiting, die 2.

Letztes Jahr im November habe ich euch das erste und bis jetzt auch letzte Mal davon berichtet wie meine Friendly Visitings bei DOROT laufen und das möchte ich heute endlich einmal dringend ändern. Beginnen möchte ich damit euch heute zwei weitere meiner Friendly Visitings vorzustellen.

Da wäre zum einen Anne welche eine Holocaustüberlebende ist die auf der Upper West Side in einem Seniorenwohnheim lebt und an sich zwar noch sehr fit und selbstständig ist aber leider im letzten Jahr ihren Ehemann verloren hat und danach einige Schwierigkeiten alleine hatte sodass ihre Familie leider entscheiden musste das sie besser versorgt in einem Seniorenwohnheim ist. Das Gute an dem Seniorenwohnheim ist dass es kein normales Seniorenwohnheim ist wie wir es uns aus Deutschland vorstellen sondern hier in den USA Enriched LIving genannt wird, was bedeutet das die Senioren zwar mit vielen weiteren Senioren in einem Haus leben und Hilfe bekommen können vom Personal des Hauses aber sie immer noch alleine in Studio Apartments (1 Zimmer Wohnungen) leben können und somit die Sicherheit des Hauses und des Personals haben aber immer noch selbstständig sein können und es ihnen auch erlaubt ist nach draußen zu gehen und sogar in den Urlaub zu fahren.

Trotzdem ist für Anne die Wohnsituation für Anne sehr oft immer eines ihrer Hauptgesprächsthemen da sie das Essen welches es zum Mittagessen gibt nicht mag und es nie heiß genug ist. Außerdem beschwert sie sich auch immer über die Fahrstühle von denen es zwar drei Stück gibt die aber sehr langsam und klein sind sodass meistens nur ein Senior mit Gehhilfe in einen Aufzug passt und es schon mal passieren kann das man mehr als 5 Minuten warten muss. Zur Anmerkung sollte noch gesagt werden dass das Gebäude in der Vergangenheit einmal ein Hotel war und auch einen solchen Eindruck macht und sehr nobel und schick daher kommt.

Anne kommt Ursprünglich aus der Nähe von Nürnberg aber ihre Familienwurzeln reichen noch weiter bis nach Prag auf der Seite des Vaters und nach Wien auf der Seite der Mutter. Über Annes Holocaustgeschichte konnte ich leider nur Erfahren das sie im jungen Teenageralter mit ihrer Familie erst nach England ausgewandert ist und dann später in die USA nach New York kam wo sie wohl auch überraschender Weise wieder viele ihrer Freunde aus der Heimat getroffen hat die ebenfalls nach New York ausgewandert sind. Eine Geschichte die Anne mir noch erzählt hat ist die das Prag für sie ein sehr besonderer Ort ist aus mehreren Gründen, zum einen weil ihre Familie dort her kommt, zum Anderen weil sie die Stadt unglaublich liebt und als die kulturell wertvollste Stadt Europas ansieht, sowie weil dort ihr Vater einmal von den Nazis ins Konzentrationlager nach Theresienstadt gebracht wurde und Hals über Kopf über Nacht aufgehängt wurde sowie gefoltert wurde und nach seiner Rückkehr nach Hause dann ein vollkommen anderer Mensch gewesen sein soll und kaum noch gesprochen hat.

Das Anne mir leider nur noch so wenig über ihre Vergangenheit erzählen kann liegt vor allem daran weil Anne leider ein mehr oder weniger großes Gedächnisproblem hat welches sich nach dem Tod ihres Ehemanns im letzten Jahr entwickelte und auch die Gespräche für uns manchmal sehr schwer macht. Denn man kann sich zwar so normal mit Anne unterhalten und ihr Fragen stellen und sie kann einem auch Dinge aus ihrer Vergangenheit erzählen aber es ist alles nur noch sehr begrenzt und ohne genauen Zeitraum sodass ich auch nicht weiß mit welchem Alter Anne wirklich Deutschland verlassen hat. Das Problem äußert sich aber auch noch auf eine andere Art und Weise indem Anne an manchen Tagen manchmal Probleme damit hat Informationen von mir zu speichern und zu behalten und mich somit fast jede Woche wieder fragt ob meine Familie den Englisch sprechen kann oder ob meine Familie Religiös ist?

Diese Art von Friendly Visiting hatte ich an sich zwar nicht erwartet aber es ist sehr spannend für mich da man Anne so ihre Probleme nicht an sieht und auch nicht bemerken würde wenn man sich nur 5 Minuten unterhält aber wenn man eine Stunde mit ihr verbringt dann kann man es schon merken. Das führte dann auch dazu das Anne und Ich anfang diesen Jahres unsere Besuche von jede Woche auf jede zweite Woche reduziert haben was sie zwar nicht gut fand aber leider nicht anders möglich war. Denn ich wollte Anne zwar immer noch besuchen aber jede Woche für eine Stunde fast wieder über die gleichen Dinge zu reden war schon sehr schwierig aber im Moment klappt nun alles sehr viel besser da man nach zwei Wochen mehr miteinander zu reden hat.

Als zweites möchte ich euch heute ein besonderes Friendly Visiting Paar vorstellen mit welchem ich nur durch einen sehr glücklichen Zufall zum Friendly Visiting kam nämlich Gloria und Charles.

Gloria und Charles sind ein seit über 50 Jahren verheiratet Ehepaar und sind Klienten bei DOROT im Main Office aber keiner der Beiden ist Holocaustüberlebender sodass sie eigentlich nicht für mich zum Friendly Visiting vorgesehen waren. Das es doch dazu kam ist dem glücklichen Zufall geschuldet dass das Main Office an einem Donnerstagmorgen im November meine Hilfe bei einem Escort einer Klientin nach Brooklyn hin und zurück per Taxi brauchte und genau diese Klientin war Gloria.

Gloria musste für einen Gerichtstermin für Charles nach Brooklyn und da sie gerade erst vor ein paar Wochen auf der Straße gefallen war wollte das Main Office das ich sie bei dem Termin begleite und sie an dem Donnerstag um 9 Uhr von zu Hause abholen sollte und zusammen mit ihr ein bestelltes Taxi nach Brooklyn nehmen sollte. Als ich dann an dem Donnerstagmorgen bei der Adresse von Gloria und Charles um 9 Uhr ankam klingelte ich und wurde auch herein gesummt während mir im Treppenhaus einige Anwohner über den Weg liefen. Als ich dann oben in der Wohnung ankam sollte ich aber erfahren das Gloria gerade eben erst die Wohnung verlassen hat und schon mit dem Taxi unterwegs nach Brooklyn ist, da kam bei mir natürlich die Panik auf. Ein paar Telefonanrufe später kam dann die zuständige Social Workerin vorbei und wir beschlossen dann nachdem wir beim Taxiunternehmen sicher gemacht hatten das sie abgeholt wurde und in Brooklyn angekommen war das ich mit der Subway ihr nachfahren werde und sie dort treffen werde. Da diese Geschichte sich noch schon im November ereignete war ich zu dem Zeitpunkt natürlich noch ziemlich neu in New York und kannte mich noch nicht ganz so gut mit den ganzen Subways aus aber fand meinen Weg nach Brooklyn wo ich dann nach einer gefühlen Ewigkeit von Angst und Bange Gloria traf und sie wieder zurück mit nach Manhattan begleitet. In der Zeit die wir nach Manhattan zurück brauchten redeten wir beiden dann über uns und Gloria erzählte mir auch einiges von ihrem Mann Charles und sagte zu mir das er mich als Gast bei sich zu Hause lieben würde und ich die Beiden doch besuchen sollte. Nachdem ich dann von meinem Supervisior im Main Office das okay bekam besuchte ich dann Gloria und Charles zwei Wochen später das erste Mal als offizielles Friendly Visiting und seitdem besuche ich sie alle zwei Wochen wieder.

Ich bin sehr glücklich das dieser Zufall mich zu Charles und Gloria führte da die Beiden sehr nett und unglaublich interessant sind, denn sie kommt ursprünglich aus Kuba und ist Katholisch und Charles kommt aus der Bronx und ist Jüdisch was man als Ehepaar nicht alle Tage sieht und dann auch noch seit 50 Jahre verheiratet macht das Ganze nur noch um so erstaunlicher und sie sind eine willkommene Abwechselungen zu meinen anderen Friendly Visitings vor allem wenn Gloria mal wieder anfängt über ihre Vergangenheit zu reden und mir erzählt wie großartig Kuba doch war, aber das Fidel Castro es vollkommen zerstört hat und ihr Herz deswegen gebrochen ist. Charles ist da hingegen schon eher der ruhige Typ Mensch und überlässt Gloria gerne das Reden sobald sie mal wieder angefangen hat.

Als letztes möchte ich euch heute dann noch wieder von meinen Besuchen mit Sylvia besuchen die ich euch ja schon vor längerer Zeit vorgestellt habe als ich euch das Main Office erklärt habe und gerade erst frisch bei DOROT war.

Die Besuche mit Sylvia sind seit dem ich sie das erste Mal im Oktober besucht habe immer sehr schön gewesen und wir unterhalten uns immer jede Woche entweder über die Politik oder aber über den Geist des Menschen was sehr spannend ist, aber Ende Dezember nach Weihnachten als Sylvester vor der Tür stand und ich gerade Besuch von Anne und Lizzie hatte bei denen ich ja zu Weihnachten in Virginia war, hat Sylvia mir dann für zwei Wochen Sorgen bereitet als ich von ihr eine Mailbox Nachricht auf mein Handy bekam indem sie mir mit zittriger und schwacher Stimme erklärte das sie in der Nacht zuvor einen Schwächeanfall hatte und nun im Krankenhaus ist. In der selben Nachricht hat sie mir dann noch eine Nummer unter der sie im Krankenhaus erreichbar ist gegeben aber als versuchte sie anzurufen ging nur ein anderer Patient ran und Sylvia war wahrscheinlich schon wieder auf eine andere Station verlegt worden. Nach einer Nacht voller Sorgen in der ich dann nicht wusste was ich den so recht machen sollte rief sie mich dann noch einmal an und hinterließ mir noch einmal eine neue Nummer auf der ich sie dieses Mal erreichte und dann zu Mindestens für zwei Minuten mit ihr reden konnte da ihre Kraft zu mehr nicht reichte.

Zwei Tage später nach täglichen Telefonanrufen habe ich sie dann frisch im neuen Jahr im Krankenhaus besucht und bei ihr eine Stunde verbracht in der ich versuchte sie aufzumuntern und sie mir erklärte das die Ärzte festgestellt hätten das ihr Herz mittlerweile zu schwach für sie werde und daher der Schwächeanfall kam. Einen Tag später wurde sie dann glücklicherweise aus dem Krankenhaus entlassen doch schon einen Tag später rief mich Sylvia wieder an und es hatte sie schon wieder ins Krankenhaus verschlagen da sie wieder zu schwach zu Hause war und ihre Krankenpflegerin den Notarzt gerufen hatte. Das Sylvia überhaupt aus dem Krankenhaus gelassen wurde hin damit zusamm weil das Gesundheitssystem hier in den USA einfach nur unglaublich schlecht ist und die Versicherung von Sylvia sie nur für eine Woche im Krankenhaus lässt solange es den nicht lebensgefährlich für sie ist das man sie wieder nach Hause schickt. Das sie dann zwar einen Tag später schon wieder eingeliefert wurde und das wahrscheinlich teuerer ist als die eine Nacht zwischendrinnen ist da wohl der Versicherung egal und es geht hier ums Prinzip das die Versicherungen nur sehr wenig bezahlen.

So habe ich Sylvia dann in der Woche darauf wieder im Krankenhaus an einem Abend besucht und zusammen mit ihr zwei Stunden verbracht in der ich sie nach eigenen Angaben sehr aufgemuntert habe und ihren Appetit angeregt habe da während meines Besuchs auch das Abendbrot kam und sie immer besser mit Gesellschaft essen kann. Nach einer zweiten Woche im Krankenhaus kam Sylvia dann wieder nach Hause und schon bald ging es ihr dann wieder sehr viel besser. Ich bin sehr froh das ich diese zwei Wochen mit Sylvia durchstehen durfte und glücklicherweise alles gut ausging und sie jetzt nach einem Monat schon fast wieder die alte ist und wir uns wieder über die Politik und den Geist des Menschen unterhalten.

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