Friendly Visiting, die 3.

Heute ist es mal wieder Zeit euch von meinen Friendly Visitings zu erzählen den auch da hat sich in den letzten drei Monaten schon wieder einiges getan.

Beginnen möchte ich heute mit Sylvia der man mittlerweile nicht mehr anmerken kann dass sie noch vor drei Monaten für zwei Wochen im Krankenhaus war und unglaublich schwach wirkte. Mit ihr kann ich mittlerweile sagen hat sich so etwas wie eine sehr interessante Freundschaft entwickelt den bei ihr muss ich mir nie Sorgen machen das wir nichts zu reden haben.

Entweder reden wir mal darüber was wir beide über die Politik der USA denken und das Obama sich während seiner ersten Amtszeit um zu viel Themen gekümmert hat und zu mittig war sodass er keine markanten Erfolge nach vier Jahren Präsidentschaft vorweißen kann. Ein anderes Mal dann erklärt Sylvia mir was für sie Israel bedeutet und das es für sie ihre wahre Heimat ist und das sie sich nur dort zu Hause fühlt und New York nur wie ein großes Hotel für sie ist in dem sie schon seit nun mehr genau 50 Jahren lebt und nur wegen ihres damaligen Ehemanns hierher gekommen ist und ihre eigentliche Heimat verlassen hat. Wieder ein anderes Mal versuche ich Sylvia dann die Lage in Europa zu erklären mit der Eurokrise und was wir Deutschen davon halten und wie die Politische Situation in Deutschland ist in dem es im Moment nur die CDU als führende Partei gibt sowie die wie Obama Gesichtslose SPD und dann noch die aufstrebenden Grünen und die jungen boomenden PIRATEN.

Das sind nur drei der Themen die wir in den letzten Wochen angeschnitten haben und es ist doch schon erstaunlich wie Politisch die Gespräche mit Sylvia sind aber dann auf einer anderen Art und Weise auch wieder in eine ganz andere Richtung gehen wenn wir uns in manch einer Woche darüber reden und manchmal auch fast ein bisschen streiten warum der Mensch das eine oder das andere manchmal macht und was unser Gehirn doch nur gleichzeitig für eine Wundermaschine ist aber dann auch wieder in anderen Situationen sehr spontan und animalisch Reagiert. All diese Diskussionen mit Sylvia machen mir immer sehr viel Spaß und ich glaube es kommt bei uns beiden zu diesen guten Gesprächen da wir beide uns auf der einen Seite doch sehr ähnlich sind aber auf der anderen Seite auch manchmal sehr unterschiedliche Standpunkte vertreten was den Gesprächen dann Diskussionsstoff verleiht und die Zeit mit Sylvia immer so spannend macht.

Als nächstes möchte ich euch von meinen weiteren Besuchen bei Gloria und Charles berichten die mir in den letzten drei Monaten auch sehr ans Herz gewachsen sind und das aus mehreren Gründen.

Zum einen kann ich bei den Besuchen mit den Beiden merken das die Friendly Visitings von mir bei ihnen etwas sehr besonderes sind da ich für sie der erste Deutsche Freiwillige von DOROT bin und sie sich alle zwei Wochen wieder über meinen Besuch und die Zeit die ich mit ihnen verbringe freuen.

Zum Anderen sind Gloria und Charles trotz ihres hohen Alters noch sehr in Computer und die Technik von heute interessiert und das mit 81 Jahren für Gloria bzw. stolzen 91 Jahren für Charles. So verbringe ich jede Woche die Hälfte meiner Zeit meistens mit Charles im Wohnzimmer und rede erst mit ihm ehe mich dann irgendwann Gloria für nur fünf Minuten ausborgen möchte damit ich ihr ein paar neue Tricks am Computer zeigen kann. Aus diesen fünf Minuten wird dann meistens der Rest der halben Stunde und wenn ich dann zu Gloria sage das ich leider mittlerweile los muss dann kann ich meistens noch einmal mit zehn Minuten rechnen in denen Gloria nur noch eine Sache wissen möchte und ich mich von Charles verabschiede. Diese Begeisterung in dem hohen Alter für die Technik von heute finde ich einfach nur unglaublich, denn ich weiß nicht ob ich mich noch mit über 80 Jahren damit auseinander setzten möchte wenn es dann in meiner Zukunft die nächsten technischen Fortschritte gibt und ich damit nicht aufgewachsen bin. Zwar ist es immer ziemlich anstrengend für mich da ich mir in meinem Kopf erst einmal überlegen muss wie ich Gloria erklären kann warum gerade dies oder das auf dem Bildschirm des Computers passiert und das ohne ein Fachwort zu benutzen da Gloria das nicht verstehen würde und diesen Gedankengang dann auch noch in korrektes Englisch zu übersetzen. Da qualmte schon so manches Mal nach dem Besuch bei Gloria und Charles mir der Kopf da es doch eine ziemliche Anstrengung ist auch wenn man es nicht glaubt und Gloria auch immer sehr schnell dabei ist eine neue Frage zu stellen sodass wir innerhalb einer halben Stunde unzählige Sachen anschneiden und behandeln.

Die aber erstaunlichste Sache für mich persönlich ist wie schnell Gloria und Charles mir vertraut haben und über was für persönliche Dinge Charles und Ich in unserer Zeit zusammen reden den Charles hat schon ein sehr bewegtes Leben hinter sich. Studiert hatte er eigentlich einmal Englische Literatur und wollte eigentlich ein Lehrer werden aber dann kam der 2. Weltkrieg zwischen seine Pläne und er musste sich und sein Land verteidigen wie er es selbst ausdrückte und das hat er sehr aktiv in Afrika als Kapitän einer US Einheit getan und hat unter anderem den Wüstenfuchs Rommel gejagt und mir davon erzählt wie einfach es zwar war einen Menschen auf Entfernung zu erschießen aber es dann sehr viel schwerer war wenn man die tote Person später sah die man erschossen hatte und somit ein Gesicht hatte auch wenn es der Feind war. Später wurde Charles dann zurück in die USA gerufen und sollte eigentlich noch im Pazifik gegen die Japaner kämpfen aber dazu kam es nicht mehr und er diente erst als Motivator für junge Soldaten in den USA und später auch als Mechaniker da sie zu der Zeit in der US-Armee Mechaniker brauchten und er somit etwas ganz anderes lernte als was er eigentlich in seinem Leben vorhatte und mir heute zwar vielleicht eine Brücke brauchen könnte aber nichts mehr über die Englische Literatur weiß. Nach seiner Militärkarriere ist Charles dann wieder nach New York gekommen und hat hier mehrere Restaurant geführt und in einem von ihnen dann auch an einem Tag Gloria kennen gelernt und von da an nahm alles ganz alleine seinen Lauf.

Das sind die einen Sachen die Charles mir erzählt hat aber die noch viel interessanten Sachen für mich waren dann als ich die Möglichkeit hatte Charles Fragen zu stellen und ihn auch auf seine Situation als Hausgebundene Person und die Hilfe der Krankenschwester anzusprechen die Gloria und Charles den ganzen Tag über da haben und er mir unglaublich ehrlich und ohne ein Blatt vor dem Mund erzählt hat dass es zwar nicht angenehm ist die Hilfe von einer anderen und fremden Person zu bekommen aber immerhin versucht Gloria s so angenehm wie möglich für ihn zu machen und er sagte mir auch das er die Krankenschwestern bei sich zu Hause einigermaßen kennt und es nicht so schlimm ist wie im Krankenhaus wo es sehr anonym ist und ich an meine Zivildienstzeit denken musste.

Diese Offenheit von Charles und der Wissensdurst von Gloria machen die Besuche bei den Beiden für mich immer sehr aufregend aber auch nachdenklich und ich bin einfach nur froh das ich sie besuchen darf und für die letzten drei Monate jetzt werden wir auch zu wöchentlichen Besuchen wechseln da ich mehr Zeit mit den Beiden verbringen möchte und noch mehr von ihnen lernen möchte aber auch ihnen beibringen möchte.

Als letztes möchte ich euch dann heute noch von einer nicht ganz so schönen Sache in meinem Friendly Visitings berichten, da ich mich jetzt schon von meinem ersten Friendly Visiting verabschiedet habe und zwar Betty und Fred die ich erwähnt habe als ich im November von meinen Friendly Visitings schrieb.

Zwar waren die Besuche bei Betty und Fred sehr schön und es gab an sich nichts zu beklagen aber auf der anderen Seite waren die Besuche auch sehr ruhig da wie ich geschrieben habe Fred schon einen Herzinfarkt hatte und somit nicht mehr redete und Betty mir leider auch nicht sehr viel erzählen konnte wenn ich sie alle vier Wochen besucht habe. Meistens haben wir die Zeit mit Rummikub spielen verbracht oder Betty hat mir Kuchen und etwas zu trinken gegeben und wir haben uns einfach nur das Fernsehen angeschaut.

Am Ende habe zwei Dinge zu den früheren Ende unserer Besuche geführt zum einen wussten ich und mein Supervisor das Betty und Fred auch weiterhin viel besuch bekommen würden da sie eine große Familie haben und schon zum Teil bei meinen Besuchen weiterer Besuch dazu kam und zum Andern weil Betty und Fred demnächst umziehen werden und von den 80er Straßen in die 100er umziehen werden was zu weit für mich wäre um sie zu besuchen wenn ich danach schon in 30 Minuten das nächste Friendly Visiting wieder wo anders hätte.

So haben wir uns dann für diesen frühen Abschied entschieden aber ich bin froh und glücklich das ich noch die Chance hatte Betty und Fred kennen zu lernen und ihre Geschichte zu erfahren die ich mit mir weiter tragen werde.

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