Friendly Visiting, die 3.

Heute ist es mal wieder Zeit euch von meinen Friendly Visitings zu erzählen den auch da hat sich in den letzten drei Monaten schon wieder einiges getan.

Beginnen möchte ich heute mit Sylvia der man mittlerweile nicht mehr anmerken kann dass sie noch vor drei Monaten für zwei Wochen im Krankenhaus war und unglaublich schwach wirkte. Mit ihr kann ich mittlerweile sagen hat sich so etwas wie eine sehr interessante Freundschaft entwickelt den bei ihr muss ich mir nie Sorgen machen das wir nichts zu reden haben.

Entweder reden wir mal darüber was wir beide über die Politik der USA denken und das Obama sich während seiner ersten Amtszeit um zu viel Themen gekümmert hat und zu mittig war sodass er keine markanten Erfolge nach vier Jahren Präsidentschaft vorweißen kann. Ein anderes Mal dann erklärt Sylvia mir was für sie Israel bedeutet und das es für sie ihre wahre Heimat ist und das sie sich nur dort zu Hause fühlt und New York nur wie ein großes Hotel für sie ist in dem sie schon seit nun mehr genau 50 Jahren lebt und nur wegen ihres damaligen Ehemanns hierher gekommen ist und ihre eigentliche Heimat verlassen hat. Wieder ein anderes Mal versuche ich Sylvia dann die Lage in Europa zu erklären mit der Eurokrise und was wir Deutschen davon halten und wie die Politische Situation in Deutschland ist in dem es im Moment nur die CDU als führende Partei gibt sowie die wie Obama Gesichtslose SPD und dann noch die aufstrebenden Grünen und die jungen boomenden PIRATEN.

Das sind nur drei der Themen die wir in den letzten Wochen angeschnitten haben und es ist doch schon erstaunlich wie Politisch die Gespräche mit Sylvia sind aber dann auf einer anderen Art und Weise auch wieder in eine ganz andere Richtung gehen wenn wir uns in manch einer Woche darüber reden und manchmal auch fast ein bisschen streiten warum der Mensch das eine oder das andere manchmal macht und was unser Gehirn doch nur gleichzeitig für eine Wundermaschine ist aber dann auch wieder in anderen Situationen sehr spontan und animalisch Reagiert. All diese Diskussionen mit Sylvia machen mir immer sehr viel Spaß und ich glaube es kommt bei uns beiden zu diesen guten Gesprächen da wir beide uns auf der einen Seite doch sehr ähnlich sind aber auf der anderen Seite auch manchmal sehr unterschiedliche Standpunkte vertreten was den Gesprächen dann Diskussionsstoff verleiht und die Zeit mit Sylvia immer so spannend macht.

Als nächstes möchte ich euch von meinen weiteren Besuchen bei Gloria und Charles berichten die mir in den letzten drei Monaten auch sehr ans Herz gewachsen sind und das aus mehreren Gründen.

Zum einen kann ich bei den Besuchen mit den Beiden merken das die Friendly Visitings von mir bei ihnen etwas sehr besonderes sind da ich für sie der erste Deutsche Freiwillige von DOROT bin und sie sich alle zwei Wochen wieder über meinen Besuch und die Zeit die ich mit ihnen verbringe freuen.

Zum Anderen sind Gloria und Charles trotz ihres hohen Alters noch sehr in Computer und die Technik von heute interessiert und das mit 81 Jahren für Gloria bzw. stolzen 91 Jahren für Charles. So verbringe ich jede Woche die Hälfte meiner Zeit meistens mit Charles im Wohnzimmer und rede erst mit ihm ehe mich dann irgendwann Gloria für nur fünf Minuten ausborgen möchte damit ich ihr ein paar neue Tricks am Computer zeigen kann. Aus diesen fünf Minuten wird dann meistens der Rest der halben Stunde und wenn ich dann zu Gloria sage das ich leider mittlerweile los muss dann kann ich meistens noch einmal mit zehn Minuten rechnen in denen Gloria nur noch eine Sache wissen möchte und ich mich von Charles verabschiede. Diese Begeisterung in dem hohen Alter für die Technik von heute finde ich einfach nur unglaublich, denn ich weiß nicht ob ich mich noch mit über 80 Jahren damit auseinander setzten möchte wenn es dann in meiner Zukunft die nächsten technischen Fortschritte gibt und ich damit nicht aufgewachsen bin. Zwar ist es immer ziemlich anstrengend für mich da ich mir in meinem Kopf erst einmal überlegen muss wie ich Gloria erklären kann warum gerade dies oder das auf dem Bildschirm des Computers passiert und das ohne ein Fachwort zu benutzen da Gloria das nicht verstehen würde und diesen Gedankengang dann auch noch in korrektes Englisch zu übersetzen. Da qualmte schon so manches Mal nach dem Besuch bei Gloria und Charles mir der Kopf da es doch eine ziemliche Anstrengung ist auch wenn man es nicht glaubt und Gloria auch immer sehr schnell dabei ist eine neue Frage zu stellen sodass wir innerhalb einer halben Stunde unzählige Sachen anschneiden und behandeln.

Die aber erstaunlichste Sache für mich persönlich ist wie schnell Gloria und Charles mir vertraut haben und über was für persönliche Dinge Charles und Ich in unserer Zeit zusammen reden den Charles hat schon ein sehr bewegtes Leben hinter sich. Studiert hatte er eigentlich einmal Englische Literatur und wollte eigentlich ein Lehrer werden aber dann kam der 2. Weltkrieg zwischen seine Pläne und er musste sich und sein Land verteidigen wie er es selbst ausdrückte und das hat er sehr aktiv in Afrika als Kapitän einer US Einheit getan und hat unter anderem den Wüstenfuchs Rommel gejagt und mir davon erzählt wie einfach es zwar war einen Menschen auf Entfernung zu erschießen aber es dann sehr viel schwerer war wenn man die tote Person später sah die man erschossen hatte und somit ein Gesicht hatte auch wenn es der Feind war. Später wurde Charles dann zurück in die USA gerufen und sollte eigentlich noch im Pazifik gegen die Japaner kämpfen aber dazu kam es nicht mehr und er diente erst als Motivator für junge Soldaten in den USA und später auch als Mechaniker da sie zu der Zeit in der US-Armee Mechaniker brauchten und er somit etwas ganz anderes lernte als was er eigentlich in seinem Leben vorhatte und mir heute zwar vielleicht eine Brücke brauchen könnte aber nichts mehr über die Englische Literatur weiß. Nach seiner Militärkarriere ist Charles dann wieder nach New York gekommen und hat hier mehrere Restaurant geführt und in einem von ihnen dann auch an einem Tag Gloria kennen gelernt und von da an nahm alles ganz alleine seinen Lauf.

Das sind die einen Sachen die Charles mir erzählt hat aber die noch viel interessanten Sachen für mich waren dann als ich die Möglichkeit hatte Charles Fragen zu stellen und ihn auch auf seine Situation als Hausgebundene Person und die Hilfe der Krankenschwester anzusprechen die Gloria und Charles den ganzen Tag über da haben und er mir unglaublich ehrlich und ohne ein Blatt vor dem Mund erzählt hat dass es zwar nicht angenehm ist die Hilfe von einer anderen und fremden Person zu bekommen aber immerhin versucht Gloria s so angenehm wie möglich für ihn zu machen und er sagte mir auch das er die Krankenschwestern bei sich zu Hause einigermaßen kennt und es nicht so schlimm ist wie im Krankenhaus wo es sehr anonym ist und ich an meine Zivildienstzeit denken musste.

Diese Offenheit von Charles und der Wissensdurst von Gloria machen die Besuche bei den Beiden für mich immer sehr aufregend aber auch nachdenklich und ich bin einfach nur froh das ich sie besuchen darf und für die letzten drei Monate jetzt werden wir auch zu wöchentlichen Besuchen wechseln da ich mehr Zeit mit den Beiden verbringen möchte und noch mehr von ihnen lernen möchte aber auch ihnen beibringen möchte.

Als letztes möchte ich euch dann heute noch von einer nicht ganz so schönen Sache in meinem Friendly Visitings berichten, da ich mich jetzt schon von meinem ersten Friendly Visiting verabschiedet habe und zwar Betty und Fred die ich erwähnt habe als ich im November von meinen Friendly Visitings schrieb.

Zwar waren die Besuche bei Betty und Fred sehr schön und es gab an sich nichts zu beklagen aber auf der anderen Seite waren die Besuche auch sehr ruhig da wie ich geschrieben habe Fred schon einen Herzinfarkt hatte und somit nicht mehr redete und Betty mir leider auch nicht sehr viel erzählen konnte wenn ich sie alle vier Wochen besucht habe. Meistens haben wir die Zeit mit Rummikub spielen verbracht oder Betty hat mir Kuchen und etwas zu trinken gegeben und wir haben uns einfach nur das Fernsehen angeschaut.

Am Ende habe zwei Dinge zu den früheren Ende unserer Besuche geführt zum einen wussten ich und mein Supervisor das Betty und Fred auch weiterhin viel besuch bekommen würden da sie eine große Familie haben und schon zum Teil bei meinen Besuchen weiterer Besuch dazu kam und zum Andern weil Betty und Fred demnächst umziehen werden und von den 80er Straßen in die 100er umziehen werden was zu weit für mich wäre um sie zu besuchen wenn ich danach schon in 30 Minuten das nächste Friendly Visiting wieder wo anders hätte.

So haben wir uns dann für diesen frühen Abschied entschieden aber ich bin froh und glücklich das ich noch die Chance hatte Betty und Fred kennen zu lernen und ihre Geschichte zu erfahren die ich mit mir weiter tragen werde.

Lunch & Learn

Letzte Woche habe ich euch von meinen Erlebenissen mit Anne beim Shabbat Service geschrieben und heute möchte ich über einen weiteren Teil meiner Arbeit beim Main Office von DOROT schreiben da ich dort in den vergangenen Wochen an zwei MIttwochen noch eine weitere Aufgabe zu meinen Friendly Visitings übernommen habe.

Ein weiterer kleiner Teil von den Angeboten die DOROT anbietet ist das sie auch vom Main Office aus sogenannte Lunch & Learns (Essen & Lernen) in Synagogen organisieren und dort jede Woche bzw. einmal im Monat je nach Synagoge einen Gast einladen und diesen dann von seiner Arbeit, seinem Hobby oder wovon man sonst Interessantes aus seinem Leben seinem Leben reden kann erzählen lassen und zu diesen Lunch & Learns dann die Senioren der Synagoge eingeladen sind um sich den Vortrag anzuhören dabei ihr Mittag zu essen welches sie sich selbst mitbringen und den Namen des Programms erklärt und dann auch eventuell mit der Person diskutieren können.

Wie ihr euch jetzt schon sicherlich denken könnt wurde ich von meinem Supervisor im Main Office als Gast vorgeschalgen und in zwei Synagogen eingeladen um dort über mich, ASF und meine Arbeit bei DOROT zu reden was ich dann auch sehr gerne tat, denn ich hatte in den letzten Monaten bei DOROT schon zu verschiedenen Gelgenheiten mich slebst Gruppen vorgestellt oder im HPP Führungen zu dem Programm gegeben und mich und ASF als das Programm vorgestellt welches mich hier zu DOROT gebracht hat und es hat mir immer sehr viel Freude bereitet und nun hatte ich bei diesen zwei Lunch & Learns das Ganze auch einmal in offizieller und größerer Art und Weise zu tun.

Wenn ich in größerer Art und Weise schreibe dann sollte man es sich allerdings nicht riesen groß vorstellen, den zu beiden Terminen kamen jeweils zwischen 8-12 Senioren was später aber von der Mitarbeiterin von DOROT dann riesig gefeiert wurde da sie mir dann sagte das Normalerweise nur um die 5 Senioren maximal jeweils zu den Lunch & Learns kamen und ich somit meine Arbeit ein Interesse bei den Senioren der zwei Synagogen die ich besucht habe geweckt zu haben.

Bei den Lunch & Learn selbst habe ich dann am Anfang erst einmal kurz erläutert wer ich selbst den bin woher ich aus Deutschland komme und wie ich zu meiner deutschen Organisation ASF gefunden habe. Danach sollte es dann meistens eigentlich mit DOROT und meiner Arbeit dort weiter gehen aber schon bei beiden Lunch & Learns haben mich schon zu diesem Zeitpunkt die Senioren mit Fragen regelrecht bombarbiert und wollten mehr über mich meine Arbeit im Zivildienst wissen, warum ich gerade nach New York und mit Holocaustüberlebenden arbeiten wollte und in welchen Ländern ASF sonst noch in der Welt aktiv ist und warum ich mich auch gerade für ASF entschieden habe.

An sich hatte ich damit gerechnet das die Senioren eher interessiert in meine Arbeit wären aber wie sich dann herausstellte waren sie in beiden Fällen wirklich sehr in mich und meine Person interessiert und habe mir viele Fragen gestellt die mich selbst manchesmal auch erst einmal zum Überlegen brachten wie z.B. die schon eben erwähnte Frage warum ich mich für ASF entscheiden habe? Vor meinem Dienst als ich noch auf der Suche nach Paten war und mir auch genau diese Frage manchesmal über den Weg lief habe ich simple damit geantwortet das mich sowohl das Thema der Organisation interessierte als auch aber die Orte an denen ASF Freiwillige hatte und dabei speziell natürlich in New York was dann am Ende auch nun mein Ort für ein Jahr wurde. Aber dieses Mal bei den Lunch & Learns habe ich die Frage dann ausführlicher beantwortet und gesagt das wohl etwas in mir als ich von ASF gelesen habe und dann letztes Jahr im Januar beim Auswahlseminar auch das Projekt DOROT mehr in mir angsprochen hat als nur diese beiden Aspekte, denn sonst wäre ich glaube ich nicht so in wie jetzt in diesem Jahr aufgegangen und mache meine Arbeit bei DOROT wirklich mit Freunde als das dort noch etwas mehr ist das ich nicht beschreiben kann aber ASF mehr ist als einfach nur: “Wir sind eine Organisation die Freiwillige ins Ausland schickt wegen des Holocaustes.”

Diese Erkenntnis und das von mir unerwartete Interesse der Senioren bei den Lunch & Learns haben auch diesen kleinen und kurzen Extrateil meiner Arbeit bei DOROT sehr lohnenswert und bereichernd gemacht. Denn auch wenn man es nicht erwartet aber manchmal werden durch Fragen anderer Prozesse in dem eigenen Kopf losgetretten die einen dann am Ende zu etwas ganz anderem führen und einem eine andere Frage beantworten die man sich selbst vorher selbst gestellt hat aber nicht beantworten konnte und nun eine Art Lösung oder Erklärung bekommt.

Friendly Visiting, die 2.

Letztes Jahr im November habe ich euch das erste und bis jetzt auch letzte Mal davon berichtet wie meine Friendly Visitings bei DOROT laufen und das möchte ich heute endlich einmal dringend ändern. Beginnen möchte ich damit euch heute zwei weitere meiner Friendly Visitings vorzustellen.

Da wäre zum einen Anne welche eine Holocaustüberlebende ist die auf der Upper West Side in einem Seniorenwohnheim lebt und an sich zwar noch sehr fit und selbstständig ist aber leider im letzten Jahr ihren Ehemann verloren hat und danach einige Schwierigkeiten alleine hatte sodass ihre Familie leider entscheiden musste das sie besser versorgt in einem Seniorenwohnheim ist. Das Gute an dem Seniorenwohnheim ist dass es kein normales Seniorenwohnheim ist wie wir es uns aus Deutschland vorstellen sondern hier in den USA Enriched LIving genannt wird, was bedeutet das die Senioren zwar mit vielen weiteren Senioren in einem Haus leben und Hilfe bekommen können vom Personal des Hauses aber sie immer noch alleine in Studio Apartments (1 Zimmer Wohnungen) leben können und somit die Sicherheit des Hauses und des Personals haben aber immer noch selbstständig sein können und es ihnen auch erlaubt ist nach draußen zu gehen und sogar in den Urlaub zu fahren.

Trotzdem ist für Anne die Wohnsituation für Anne sehr oft immer eines ihrer Hauptgesprächsthemen da sie das Essen welches es zum Mittagessen gibt nicht mag und es nie heiß genug ist. Außerdem beschwert sie sich auch immer über die Fahrstühle von denen es zwar drei Stück gibt die aber sehr langsam und klein sind sodass meistens nur ein Senior mit Gehhilfe in einen Aufzug passt und es schon mal passieren kann das man mehr als 5 Minuten warten muss. Zur Anmerkung sollte noch gesagt werden dass das Gebäude in der Vergangenheit einmal ein Hotel war und auch einen solchen Eindruck macht und sehr nobel und schick daher kommt.

Anne kommt Ursprünglich aus der Nähe von Nürnberg aber ihre Familienwurzeln reichen noch weiter bis nach Prag auf der Seite des Vaters und nach Wien auf der Seite der Mutter. Über Annes Holocaustgeschichte konnte ich leider nur Erfahren das sie im jungen Teenageralter mit ihrer Familie erst nach England ausgewandert ist und dann später in die USA nach New York kam wo sie wohl auch überraschender Weise wieder viele ihrer Freunde aus der Heimat getroffen hat die ebenfalls nach New York ausgewandert sind. Eine Geschichte die Anne mir noch erzählt hat ist die das Prag für sie ein sehr besonderer Ort ist aus mehreren Gründen, zum einen weil ihre Familie dort her kommt, zum Anderen weil sie die Stadt unglaublich liebt und als die kulturell wertvollste Stadt Europas ansieht, sowie weil dort ihr Vater einmal von den Nazis ins Konzentrationlager nach Theresienstadt gebracht wurde und Hals über Kopf über Nacht aufgehängt wurde sowie gefoltert wurde und nach seiner Rückkehr nach Hause dann ein vollkommen anderer Mensch gewesen sein soll und kaum noch gesprochen hat.

Das Anne mir leider nur noch so wenig über ihre Vergangenheit erzählen kann liegt vor allem daran weil Anne leider ein mehr oder weniger großes Gedächnisproblem hat welches sich nach dem Tod ihres Ehemanns im letzten Jahr entwickelte und auch die Gespräche für uns manchmal sehr schwer macht. Denn man kann sich zwar so normal mit Anne unterhalten und ihr Fragen stellen und sie kann einem auch Dinge aus ihrer Vergangenheit erzählen aber es ist alles nur noch sehr begrenzt und ohne genauen Zeitraum sodass ich auch nicht weiß mit welchem Alter Anne wirklich Deutschland verlassen hat. Das Problem äußert sich aber auch noch auf eine andere Art und Weise indem Anne an manchen Tagen manchmal Probleme damit hat Informationen von mir zu speichern und zu behalten und mich somit fast jede Woche wieder fragt ob meine Familie den Englisch sprechen kann oder ob meine Familie Religiös ist?

Diese Art von Friendly Visiting hatte ich an sich zwar nicht erwartet aber es ist sehr spannend für mich da man Anne so ihre Probleme nicht an sieht und auch nicht bemerken würde wenn man sich nur 5 Minuten unterhält aber wenn man eine Stunde mit ihr verbringt dann kann man es schon merken. Das führte dann auch dazu das Anne und Ich anfang diesen Jahres unsere Besuche von jede Woche auf jede zweite Woche reduziert haben was sie zwar nicht gut fand aber leider nicht anders möglich war. Denn ich wollte Anne zwar immer noch besuchen aber jede Woche für eine Stunde fast wieder über die gleichen Dinge zu reden war schon sehr schwierig aber im Moment klappt nun alles sehr viel besser da man nach zwei Wochen mehr miteinander zu reden hat.

Als zweites möchte ich euch heute ein besonderes Friendly Visiting Paar vorstellen mit welchem ich nur durch einen sehr glücklichen Zufall zum Friendly Visiting kam nämlich Gloria und Charles.

Gloria und Charles sind ein seit über 50 Jahren verheiratet Ehepaar und sind Klienten bei DOROT im Main Office aber keiner der Beiden ist Holocaustüberlebender sodass sie eigentlich nicht für mich zum Friendly Visiting vorgesehen waren. Das es doch dazu kam ist dem glücklichen Zufall geschuldet dass das Main Office an einem Donnerstagmorgen im November meine Hilfe bei einem Escort einer Klientin nach Brooklyn hin und zurück per Taxi brauchte und genau diese Klientin war Gloria.

Gloria musste für einen Gerichtstermin für Charles nach Brooklyn und da sie gerade erst vor ein paar Wochen auf der Straße gefallen war wollte das Main Office das ich sie bei dem Termin begleite und sie an dem Donnerstag um 9 Uhr von zu Hause abholen sollte und zusammen mit ihr ein bestelltes Taxi nach Brooklyn nehmen sollte. Als ich dann an dem Donnerstagmorgen bei der Adresse von Gloria und Charles um 9 Uhr ankam klingelte ich und wurde auch herein gesummt während mir im Treppenhaus einige Anwohner über den Weg liefen. Als ich dann oben in der Wohnung ankam sollte ich aber erfahren das Gloria gerade eben erst die Wohnung verlassen hat und schon mit dem Taxi unterwegs nach Brooklyn ist, da kam bei mir natürlich die Panik auf. Ein paar Telefonanrufe später kam dann die zuständige Social Workerin vorbei und wir beschlossen dann nachdem wir beim Taxiunternehmen sicher gemacht hatten das sie abgeholt wurde und in Brooklyn angekommen war das ich mit der Subway ihr nachfahren werde und sie dort treffen werde. Da diese Geschichte sich noch schon im November ereignete war ich zu dem Zeitpunkt natürlich noch ziemlich neu in New York und kannte mich noch nicht ganz so gut mit den ganzen Subways aus aber fand meinen Weg nach Brooklyn wo ich dann nach einer gefühlen Ewigkeit von Angst und Bange Gloria traf und sie wieder zurück mit nach Manhattan begleitet. In der Zeit die wir nach Manhattan zurück brauchten redeten wir beiden dann über uns und Gloria erzählte mir auch einiges von ihrem Mann Charles und sagte zu mir das er mich als Gast bei sich zu Hause lieben würde und ich die Beiden doch besuchen sollte. Nachdem ich dann von meinem Supervisior im Main Office das okay bekam besuchte ich dann Gloria und Charles zwei Wochen später das erste Mal als offizielles Friendly Visiting und seitdem besuche ich sie alle zwei Wochen wieder.

Ich bin sehr glücklich das dieser Zufall mich zu Charles und Gloria führte da die Beiden sehr nett und unglaublich interessant sind, denn sie kommt ursprünglich aus Kuba und ist Katholisch und Charles kommt aus der Bronx und ist Jüdisch was man als Ehepaar nicht alle Tage sieht und dann auch noch seit 50 Jahre verheiratet macht das Ganze nur noch um so erstaunlicher und sie sind eine willkommene Abwechselungen zu meinen anderen Friendly Visitings vor allem wenn Gloria mal wieder anfängt über ihre Vergangenheit zu reden und mir erzählt wie großartig Kuba doch war, aber das Fidel Castro es vollkommen zerstört hat und ihr Herz deswegen gebrochen ist. Charles ist da hingegen schon eher der ruhige Typ Mensch und überlässt Gloria gerne das Reden sobald sie mal wieder angefangen hat.

Als letztes möchte ich euch heute dann noch wieder von meinen Besuchen mit Sylvia besuchen die ich euch ja schon vor längerer Zeit vorgestellt habe als ich euch das Main Office erklärt habe und gerade erst frisch bei DOROT war.

Die Besuche mit Sylvia sind seit dem ich sie das erste Mal im Oktober besucht habe immer sehr schön gewesen und wir unterhalten uns immer jede Woche entweder über die Politik oder aber über den Geist des Menschen was sehr spannend ist, aber Ende Dezember nach Weihnachten als Sylvester vor der Tür stand und ich gerade Besuch von Anne und Lizzie hatte bei denen ich ja zu Weihnachten in Virginia war, hat Sylvia mir dann für zwei Wochen Sorgen bereitet als ich von ihr eine Mailbox Nachricht auf mein Handy bekam indem sie mir mit zittriger und schwacher Stimme erklärte das sie in der Nacht zuvor einen Schwächeanfall hatte und nun im Krankenhaus ist. In der selben Nachricht hat sie mir dann noch eine Nummer unter der sie im Krankenhaus erreichbar ist gegeben aber als versuchte sie anzurufen ging nur ein anderer Patient ran und Sylvia war wahrscheinlich schon wieder auf eine andere Station verlegt worden. Nach einer Nacht voller Sorgen in der ich dann nicht wusste was ich den so recht machen sollte rief sie mich dann noch einmal an und hinterließ mir noch einmal eine neue Nummer auf der ich sie dieses Mal erreichte und dann zu Mindestens für zwei Minuten mit ihr reden konnte da ihre Kraft zu mehr nicht reichte.

Zwei Tage später nach täglichen Telefonanrufen habe ich sie dann frisch im neuen Jahr im Krankenhaus besucht und bei ihr eine Stunde verbracht in der ich versuchte sie aufzumuntern und sie mir erklärte das die Ärzte festgestellt hätten das ihr Herz mittlerweile zu schwach für sie werde und daher der Schwächeanfall kam. Einen Tag später wurde sie dann glücklicherweise aus dem Krankenhaus entlassen doch schon einen Tag später rief mich Sylvia wieder an und es hatte sie schon wieder ins Krankenhaus verschlagen da sie wieder zu schwach zu Hause war und ihre Krankenpflegerin den Notarzt gerufen hatte. Das Sylvia überhaupt aus dem Krankenhaus gelassen wurde hin damit zusamm weil das Gesundheitssystem hier in den USA einfach nur unglaublich schlecht ist und die Versicherung von Sylvia sie nur für eine Woche im Krankenhaus lässt solange es den nicht lebensgefährlich für sie ist das man sie wieder nach Hause schickt. Das sie dann zwar einen Tag später schon wieder eingeliefert wurde und das wahrscheinlich teuerer ist als die eine Nacht zwischendrinnen ist da wohl der Versicherung egal und es geht hier ums Prinzip das die Versicherungen nur sehr wenig bezahlen.

So habe ich Sylvia dann in der Woche darauf wieder im Krankenhaus an einem Abend besucht und zusammen mit ihr zwei Stunden verbracht in der ich sie nach eigenen Angaben sehr aufgemuntert habe und ihren Appetit angeregt habe da während meines Besuchs auch das Abendbrot kam und sie immer besser mit Gesellschaft essen kann. Nach einer zweiten Woche im Krankenhaus kam Sylvia dann wieder nach Hause und schon bald ging es ihr dann wieder sehr viel besser. Ich bin sehr froh das ich diese zwei Wochen mit Sylvia durchstehen durfte und glücklicherweise alles gut ausging und sie jetzt nach einem Monat schon fast wieder die alte ist und wir uns wieder über die Politik und den Geist des Menschen unterhalten.

Foto Set No.XII

Im heutigen Blogeintrag gibt es die Fotos zu der Package Delivery von der ich euch letzten Freitag hier berichtet habe.

Es sind zum großen Teil einfach nur Fotos von Freiwilligen die eine Tüte abgeholt haben und dann zu einem Senioren von DOROT gebracht haben, aber ich denke die Fotos geben auch mal einen kleinen Eindruck wie es bei meiner Arbeit aussieht.

Da es nur Fotos von einem Nachmittag sind, sind es auch nicht mehr als 50 Fotos die ihr euch nun anschauen könnt:

Winter Package Delivery

Letzten Sonntag hatten wir mal wieder ein besonderes Ereignis bei DOROT und zwar die Winter Package Delivery im Main Office.

Bei der Package Delivery schickt DOROT viele viele freiwillige Helfer, sogenannte Volunteers, mit DOROT Tüten voll mit vielen verschiedenen Sachen zu Senioren von uns, um ihnen diese Packages zu bringen und bei manchen dann auch ein Friendly Visiting zu machen für eine Stunde, woraus dann eventuell bei gegenseitigem Interesse ein fortlaufendes Friendly Visiting werden kann.

Für diese Package Delivery hieß es schon diese Woche Dienstag für mich einmal im Main Office zu helfen und zwar all die Sachen auszupacken und aufzustellen, die in die Tüten für die Senioren kommen sollten. Denn einen Tag später am Mittwoch kamen dann Schüler und Senioren die Gemeinsam die Tüten füllten und dadurch gleichzeitig auch noch eine generationenübergreifende Erfahrung hatten.

Diese Package Deliveries macht DOROT vier Mal im Jahr und zwar an Thanksgiving als das Bankett war und ich in der Küche stand fand auch schon gleichzeitig eine Package Delivery statt. Dann gibt es noch eine Delivery im Winter, entweder zu Hanukkah  oder wie dieses Jahr im Januar, dann noch eine zu Pessach, meistens Anfang April und eine Delivery im Sommer.

An diesem Sonntag war meine Aufgabe eigentlich Telephone Runner gewesen, dass bedeutet das ich im Erdgeschoß gewesen bin und den freiwilligen Helfern, die Telefone an den Schreibtischen unserer Mitarbeiter angeboten habe, damit sie die Senioren anrufen können zu denen sie dann gehen würden, um sicher zu stellen das sie auch da sind und die Packages und die Besucher erwarten.

Da heute aber schon fast jeder ein Handy hat und somit nur noch sehr wenige ältere Helfer das Angebot annahmen oder sehr junge Schülergruppen, weil sie noch nicht ganz sicher am Telefon waren, hielt sich meine Arbeit in Grenzen und ich konnte zwischendurch mich daran machen auch im 2. Stockwerk vorbei zu schauen, wo die Packages ausgegeben wurden und Fotos von all diesen Geschehnissen zu machen. Was dann auch meine Hauptaufgabe wurde, da DOROT immer neue Fotos braucht für die Öffentlichkeitsarbeit braucht und ich natürlich gerne so viel wie möglich für mich festhalten möchte.

Später als die Package Delivery dann in unserem Main Office zu Ende ging und die meisten Packages schon ausgeliefert waren, war es auch noch meine letzte Aufgabe für den Tag, vier Packages an Senioren zu bringen die in der Nähe meines Wohnhauses bei Murray Hill wohnen.

So ging dann also ein schöner und abwechslungsreicher Tag zur normalen Arbeit bei DOROT zu Ende und die Fotos die ich den Tag über geschossen habe, werde ich euch im Laufe der nächsten Tag hier präsentieren.

3 Monate

Mittlerweile läuft mein Friedensdienst schon seit über drei Monaten und Weihnachten und das Jahr 2012 stehen auch schon vor der Tür, dadurch habe ich mir gedacht schaue ich doch heute mal zurück wie das erste Viertel meines Friedensdienstes lief und was dieses drei Monate für mich bis jetzt so besonders gemacht haben.

In New York habe ich mich endlich eingefunden und es ist für mich kein Problem mehr in Manhatten eine Subway Uptown oder Downtown zu nehmen oder mal schnell einen Botengang für DOROT zu erledigen. Es überrascht mich doch selbst wie schnell ich mich hier orientiert habe auch wenn man sagen muss, dass das orientieren hier eigentlich kein Problem darstellen soll, denn die Amerikaner zählen ihre Straßen ja einfach nur durch und alles ist schön im Block Format, sodass man sich hier auch komplett ohne Orientierungssinn zurecht finden kann.

Ich bin auch überrascht wie viel ich doch schon gesehen habe, da ist nicht nur Manhatten das ich schon unzählige Mal rauf und runter gefahren bin, sondern auch die anderen Stadtteile wie Brooklyn oder die Bronx die ich auch schon besucht habe und zu Mindestens einen erst Eindruck bekommen konnte, wie es dort ist.
Außerdem sind dann da ja auch noch die unzähligen Besonderen Ereignisse, wie die Thanksgiving und Halloween Parade, der Marathon und der große Weihnachtsbaum am Rockefeller Center. Das ging beispielsweise bei der Halloween Parade soweit, das mich mein Supervisor Elazar extra eine halbe Stunde eher aus der Arbeit gelassen hat, da er wollte das ich einen guten Platz an der Strecke bekomme und die Parade gut filmen und fotografieren kann.

Und damit bin ich ja auch schon bei DOROT wieder. Nach drei Monaten kann ich mittlerweile sagen das die Arbeit mir hier super viel Spaß macht und das es genau so ist wie ich es mir vorgestellt habe, vielleicht manchmal sogar ein bisschen besser. Wenn ich am Freitagabend das Essen für die Klienten mache und man sich während dessen mit ihnen unterhalten kann und auch den einen oder anderen Witz macht oder erzählt bekommt. So viele Geschichten von Menschen wie ihr Leben verlief, was ihre Persönlichkeiten sind und was sie besonderes ausmacht, das habe ich noch nie erlebt und dazu gehört natürlich auch das Friendly Visiting, welches im Laufe der Zeit auch immer interessanter wird, da man sich mit den Menschen nicht nur jedes Mal über deren Vergangenheit unterhält, sondern mittlerweile auch anfängt Freundschaften aufzubauen und die Menschen lieb gewinnt.

Alles in allem kann ich also nach drei Monaten sagen das ich hier mehr als glücklich bin. Sicherlich gibt es immer noch Dinge, die ich gerne ändern möchte, wie zum Beispiel, mir hier einen Freundeskreis aufzubauen. Aber auch da hat sich in der letzten Woche noch mal einiges getan, da ich ab Anfang Januar anfangen werde in einem Theater, im East Village, ehrenamtlich zu helfen und dort sehr viele engagierte und junge Menschen arbeiten.

Zum Schluss habe ich noch einmal ein paar kleine Fakten und unnütze Statistiken über mich und meine Zeit bis jetzt hier zusammen getragen:
Von meinen 366 Tagen sind schon knapp mehr als 100 Tage vergangen und in dieser Zeit habe ich schon 34 Friendly Visiting’s, 2 Shoppings und 2 Escort gemacht. Ich habe einmal am Donnerstagabend im HPP für alle gekocht und 5 mal die Essen an anderen Tagen gemacht. In dieser Zeit bin ich an 48 verschiedenen Subway Stationen ein- oder ausgestiegen und dieser Blog umfasst schon 20 Einträge. Auch mein persönliches Tagebuch ist schon mit 172 Seiten und ca. 73.000 Wörtern prall gefüllt und die 881 Fotos, sowie das erste Video über New York nehmen schon mehr als 12 GB auf meinem Computer ein. Und last but not least habe ich in 22 Skypegesprächen Kontakt mit zu Hause gehalten.

Ich möchte diesen Eintrag auch noch einmal nutzen um mich bei all meinen Paten, Freunden und Familie zu bedanken. Ohne eure Unterstützung, sei es finanziell oder seelisch, hätte ich es wahrscheinlich niemals hier her nach New York geschafft und diese tolle Zeit erlebt. Danke!!!

Dafür gibt es jetzt auch schon meinen ersten Projektbericht von mir, den ihr euch hier ansehen und speichern könnt, auch wenn er sehr viel aus dem Blog hier enthält und somit nicht ganz so interessant ist, wenn ihr schon immer meinen Blog lest.
In den nächsten Tagen werde ich außerdem noch ein kleines Paket mit einer kleinen Weihnachtsüberraschung an alle meine Paten heraus schicken. Es wird zwar wahrscheinlich nicht vor dem neuen Jahr da sein, aber ich hoffe ihr freut euch trotzdem darüber.

Give Away Day and the Bronx

So langsam wird es nun auch in New York kälter. Waren es die letzten Wochen immer noch um die 10° warm, sind es nun auch bei uns hier um die 0° am Tage und in der Nacht fängt es an zu frieren. Vielleicht können wir ja in New York doch noch ein weißes Weihnachten erwarten, allerdings werde ich das nicht miterleben, denn zu den Weihnachtstagen werde ich meinen erste Reise antreten.

Es wird für mich nach Innisfree in Virginia gehen, wo die Freiwillige Anne von ASF arbeitet und zusammen mit behinderten Menschen lebt. Ich und Lena, eine weitere Freiwillige aus New York, werden dort für die Weihnachtstage sein und danach wieder zusammen mit Anne nach New York fahren wo wir dann New Years Eve erleben werden.

Aber bis es soweit ist möchte ich euch heute mal wieder von meiner im HPP bei DOROT berichten, denn dort gab es in dieser Woche einige spannende Dingen zu tun.

Da wäre am Montag zum Beispiel am Montag der Give Away Day, den wir einmal im Monat am ersten Montag im HPP machen und dabei Lebensmittel und Kleidung an sowohl unsere aktuellen Klienten ausgeben, als auch unsere After Care Klienten, die mittlerweile schon wieder in einem eigenen Zimmer oder Apartment wohnen.

Der Tag beginnt für mich dann immer am Montag um 9:30 Uhr und beginnt erst einmal damit unseren Community Room für den Give Away Day herzurichten. Da heißt es die Tische so hinstellen das wir die Lebensmittel und Kleidung später dann darauf legen können und mit den Klienten dann das Angebot durchgehen können. Außerdem muss ich alle Spenden die wir im Laufe des Monats bekommen haben und für den Give Away Day in unseren Büros und Keller aufbewahrt haben in den Community Room bringen und dann damit anfangen alles herzurichten.

Zu diesem Zeitpunkt kommt dann meistens auch schon Mrs. G, die den Give Away Day organisiert und leitet, sowie Jesus der zusammen mit mir später aufpasst das sich niemand unerlaubt einfach etwas von den Tischen schnappt, obwohl noch nicht dran ist oder aber schon dran war und noch mehr möchte. Sowohl Mrs. G als auch Jesus sind ehemalige Klienten von unserem Programm und somit selbst After Care Klienten, aber sie wollen aus Dankbarkeit dem HPP noch als Freiwillige helfen.

Um 12 Uhr wenn dann alles fertig hergerichtet ist und seinen Platz gefunden hat, fängt Mrs. G damit an die aktuellen Klienten als erstes durch das Angebot zu führen und um 1 Uhr sind dann auch alle anderen dran. Dabei kann es dann in unserem Community Room schon ganz schön voll und laut werden, wenn manchmal bis zu 15 Leute gleichzeitig da sind und darauf warten dran zu kommen und sich in der Zwischenzeit mit anderen Klienten unterhalten die sie kennen. Aber es macht immer Spaß den man sieht und lernt dadurch viele andere Gesichter kennen, die früher auch im HPP gelebt haben und jetzt immer wieder dankbar zum Give Away Day kommen.

Zwischen 3 und 4 Uhr sind dann meistens alle Klienten da gewesen und auch die letzten Kartoffeln, Orangen oder Erdberren haben einen glücklichen Besitzer gefunden, sodass meine Aufgabe dann nur noch darin besteht den Community Room wieder aufzuräumen und in seinen Urzustand zurück zu versetzen.

Heute gab es dann für mich noch eine spezielle Aufgabe für mich, denn ich sollte zusammen mit Abe eine Katze für Gretchen, die Direktoren des HPP, in die Bronx bringen. Dort war gerade eine unsere After Care Klienten in ihre eigenes neues Apartment gezogen und da sie dort wo sie vorher gelebt hatte kein Haustier haben durfte, wollte sie nun natürlich sofort jemanden um den sie sich kümmern kann in ihren eigenen vier Wänden.

Simone, die Katze, die wir in die Bronx gebracht haben, hat nämlich für die letzten Wochen bei uns im HPP gelebt und für ein paar Wochen habe ich mit ihr zusammen auch mein Büro geteilt. Das wir auch Katzen bei uns aufnehmen und für sie ein neues zu Hause suchen ist das Hobby von Gretchen und meistens sind die Tiere gerade erst ein paar Monate alt und kommen aus Tierheimen zu uns, damit Gretchen sie dann an neue Besitzer weiter vermitteln kann.

In die Bronx sind ich und Abe (Abe ist auch ein After Care Klient der in dem selben Haus wie das HPP wohnt und uns als Hausmeister aushilft) mit dem Taxi gekommen, da wir Simone bei uns hatten und noch ein paar Sachen für sie damit die Klienten erst einmal nichts neu kaufen muss für sie.

Zurück mussten wir dann mit Bus und Bahn kommen, wobei ich ein bisschen was von der Bronx sehen konnte, die zu mindestens am Tage nicht so schlimm ist, wie es ihr Ruf vermuten lässt.

Es ist der Stadtteil in dem die meisten Bewohner Schwarz sind und alles sehr einfach und teilweise auch ein bisschen herunter gekommen aussieht. Von daher machte es wahrscheinlich auch für die meisten den Eindruck wie aus einem Gangsterfilm, aber es ist eigentlich ein Stadtteil für die einfache Bevölkerung. Trotzdem würde ich mich lieber nicht in der Nacht in die Bronx verirren, denn dann macht sie vielleicht schon eher ihrem Ruf alle Ehre.

P.S. Es gibt noch ein paar mehr Fotos vom Give Away Day und ein weiteres aus der Bronx die ich an das Foto Set No. VIII angehängt habe zum Anschauen.

Thanksgiving

Nachdem ich schon letzten Freitag die Fotos von Thanksgiving hier online gestellt habe, wollte ich jetzt kurz auch noch ein paar Worte dazu verlieren.

Thanksgiving ist für den waschechten Amerikaner das größte Fest im Jahr. Schon mehrere Tage vorher wird hier alles an Essen eingekauft was man für Fest braucht, denn im Grunde genommen geht es bei Thanksgiving nur um zwei Dinge. Da wäre erstens die Familie und dann als zweites das große Essen mit Truthhahn, Stuffing (Füllung) und Cranberry sauce (Preiselbeersoße). Aber das sind sozusagen nur die drei Grundzutaten für das Essen, dazu kommen meistens noch viele andere, mal mehr oder mal weniger, leckere Dinge.

Da wie schon gesagt Thanksgiving auch das Fest der Familie ist, wurde es hier in der letzten Woche vor Thanksgiving ziemlich ruhig in der Stadt und auf der Arbeit. Viele nehmen sich Urlaub und fahren raus zum großen Familientreffen, bei den Eltern. Den Thanksgiving ist für die Amerikaner das, was Weihnachten für uns in Deutschland ist, die Zeit im Jahr um mal wieder die Familie zu sehen und in Erinnerungen zu schwelgen.

Zwar habe ich hier keine Familie in den USA, aber trotzdem durfte ich am eigenen Leib sozusagen, dass große Chaos vor dem Essen und die Herzlichkeit der Menschen danach, bei unserem Thanksgiving Banquet von DOROT miterleben. Das Banquet veranstaltet DOROT jedes Jahr den Sonntag vor Thanksgiving und es sind alle Senioren vom Main Office eingeladen, sowie auch unsere Klienten vom HPP.

Zu dem Banquet kamen dieses Jahr an die 300 Senioren und über 100 weitere Freiwillige, die den Senioren an den Tischen ihre Essen gebracht haben und sie mit allem versorgt haben was sie brauchen. Ich hingegen hatte die große Ehre das Banquet in der Küche mitzuerleben und dort mitzuhelfen innerhalb von knapp 20 Minuten die 300 Essen für unsere Senioren fertig zu machen und nach draußen in den großen Saal zu bekommen. Dabei mussten wir allerdings nicht aus der Küche rausgehen, da die Freiwilligen uns eher die Küche einrannten, um an das Essen zu kommen, weswegen wir vor unserer Tür sozusagen sogar eine Security in Form einer Mitarbeiterin von DOROT hatten.

Nachdem wir mit einer kleinen Fischvorspeise begannen, danach die Hauptspeise, den Truthahn mit Stuffing und grünen Bohnen, sowie zum Schluss jeder noch ein Stück Kuchen und Kaffee bekommen hatte durfte ich aus der Küche raus und mir das Treiben im Saal selbst anschauen. Dabei sahen mich dann natürlich auch sofort einige Klienten vom HPP und begrüßten mich herzlich, bedankten sich für das gute Essen und wünschten mir natürlich ein frohes Thanksgiving.

Es war toll all diese Menschen dort zu sehen wie sie sich unterhielten und einander wieder erkannten und begrüßten. Es war für das Gefühl auf einmal wie in einer riesen großen Familie gelandet zu sein und ich glaube das ist das Gefühl das Thanksgiving ausmacht, sich zu Hause zu fühlen.

Letzten Mittwoch, einen Tag vor Thanksgiving, veranstaltete dann noch Temple Emanu-El ein Thanksgiving Dinner und zudem waren auch unsere Klienten vom HPP eingeladen. Da Temple Emanu-El allerdings auf der East Side liegt und wir aber auf der West Side sind, wollte Elazar, dass ich unsere Klienten mit zu dem Dinner begleite und damit auch die andere Seite erlebe, nämlich selbst am Tisch zu sitzen und etwas zu essen zu bekommen.

Temple Emanu-El ist eine Synagoge die Ursprünglich von Deutschen Einwanderern gegründet wurde und heute sehr bekannt ist auf der East Side. Die Synagoge liegt direkt an der Fifth Avenue gegenüber vom Central Park. Das besondere an Temple Emanu-El ist, dass sie sehr liberal sind gegenüber der heutigen Zeit und damit einige Rituale abgeschafft haben, wie zum Beispiel das koscher Essen.

Somit gab es bei dem Dinner auch Süßkartoffelbrei und andere Dinge die mit Milch zubereitet waren, obwohl wir gleichzeitig Truthahn auf dem Teller hatten. Leider muss ich sagen das mir Süßkartoffel absolut nicht zusagen. Es ist für mich unglaublich komisch erst ein Stück Fleisch zu essen und dann etwas süßes hinterher obwohl ich eigentlich den Geschmack von Kartoffeln erwartet. Naja man kann nicht alles haben.

Das Dinner dort mit unseren Klienten die ich begleitet habe war sehr schön und die Klienten haben sich auch gefreut, dass ich sie zur East Side begleitet habe und sie nicht alleine den Weg suchen mussten. Außerdem war es auch schön für mich mal etwas Zeit mit den Klienten zu haben, denn bei den Dinners im HPP, bin ich immer eher damit beschäftigt beim Austeilen des Essens zu helfen und da fehlt meistens einfach die Zeit, um sich mal zu unterhalten.

Das war es dann auch schon fast von meinem Thanksgiving, denn an Thanksgiving selbst hatte ich kein großes Essen oder Familientreffen, wie die meisten hier, sondern habe mir die Macy’s Thanksgiving Day Parade angeschaut. Dafür musste ich schon morgens um 6:30 Uhr aus dem Haus. Denn als ich um ca. 7:00 Uhr an der Strecke ankam, war die erste Reihe an der Strecke schon komplett besetzt und das obwohl die Parade erst um 9:00 Uhr am Central Park losging und bei uns dann erst eine halbe Stunde später ankam. So hieß es den ganzen Morgen also auf der Stelle stehen um seinen Platz sicher zu haben und gute Fotos machen zu können.

Aber es hat sich gelohnt. Die Parade ist wie eine Art zweites Halloween oder vielmehr Fasching oder Karneval, denn alle die an der Parade teilnehmen sind verkleidet und machen den einen oder anderen Spaß mit den Zuschauern am Straßenrand. Ansonsten gab es natürlich auch noch die großen Ballonfiguren wie man sie kennt und viele Marching Bands, also Spielmannszüge von Highschools aus ganz USA. Aber was natürlich nie fehlen durfte, waren von jedem die Rufe:

Happy Thanksgiving!

Kosher Cooking 101

Diese Woche hatte ich die große Ehre, das ich bei uns im HPP (dem obdachlosen Projekt von DOROT) kochen durfte.

Wie ich euch schon geschrieben habe, gibt es im HPP jeden Abend Dinner für unsere aktuellen Klienten und auch die ehemaligen Klienten (Aftercare Klienten), wenn sie den kommen. Normalerweise werden bei diesen Dinners einfache Frozen Meals (gefrorene Mahlzeiten) für die Klienten im Ofen warm gemacht und ihnen dann serviert. Diese Frozen Meals kann man sich wie Flugzeugessen von der große der Portion und dem Geschmack vorstellen, aber es macht immerhin die Leute satt. Dabei reicht die Palette an Auswahl von Truthahn oder Lachs Burger, Hackbraten, Fleischklöße mit Spaghetti, Ravioli bis zu dem All Time Favorit der Klienten Hühnchen Brust oder Keule. Manchmal kann es sein das wir all diese Gerichte und sogar mehr zur Auswahl haben, das ist meistens dann der Fall, wenn wir gerade eine Lieferung bekommen haben, aber wenn es zum Ende des Monats hin geht, dann können auch schon mal nur noch drei oder vier Gerichte zur Auswahl übrig sein.

Das ist die Art und Weise von Dinner, die unsere Klienten jeden Tag bekommen, außer am Donnerstag, da gibt es immer ein besonderes Essen. Denn am Donnerstag kommt nicht nur ein Freiwilliger um die Tische zu decken und die Frozen Meals zu machen. Nein dann kommt auch noch extra ein weiterer Freiwilliger oder auch mal gerne zwei, die dann ein frisch gemachtes Essen an dem Abend kochen. Dabei sind manche von den Freiwilligen richtige Köche oder wie ich einfach jemand der gerne kochen mag und die Klienten daran teilhaben lassen will.

Dadurch das Donnerstags immer frisch gekocht wird, kommen dann auch immer mehr ehemalige Klienten zu dem Essen und es können manchmal bis zu 30 Leute in unserem kleinen Gemeinschaftsraum werden.

Ich habe diesen Donnerstag für unsere Klienten einen Deutschen Kartoffel Eintopf gekocht, so habe ich ihn zu mindestens genannt. Denn eigentlich kommt das Rezept, wenn man es denn überhaupt Rezept nennen kann, von der Werkwoche im Zivildienst 2010, als wir Zivildienstleistenden alle zusammen gekocht haben und dabei an einem Tag dieser Kartoffel Eintopf bei raus kam.

Im Grunde genommen ist er ganz simpel zu machen. Man brauch nur Kartoffeln, jede Menge Gemüse und ein wenig Hackfleisch das man vorher anbrät und dann später zum Eintopf dazu gibt. Schon hat man einen riesigen Topf mit jede Menge leckerem Gemüse und auch noch etwas Fleisch, für die Fleischfresser unter uns.

Doch ganz so einfach sollte es diesmal für mich nicht werden, denn dadurch dass das HPP zu DOROT gehört und DOROT eine jüdische Organisation ist heißt es auch bei uns in der Küche, koscher Kochen.

Koscher kochen klingt im ersten Moment eigentlich ganz simpel: Man darf beim Essen kein Fleisch und keine Milch miteinander mischen doch so einfach soll es dann nicht bleiben.

Denn zu dieser Regel kommt noch das Schweinefleisch auch nicht koscher ist. Wenn man gerade Milch getrunken hat oder Fleisch gegessen hat darf man für zwei bis sechs Stunden nicht das andere Verzehren. Die Dauer der Zeit, wie lange man das andere nicht verzehren kann kommt darauf an, wo man sich in der Welt befindet, ein System das ich auch nicht verstanden habe. Und wenn man es ganz und gar koscher haben will dann kauft man nur Produkte die auch einen offiziellen Koscherstempel haben. Diesen dürfen nur bestimmte Rabbiner ausgeben, die sich vorher die komplette Produktion des Produkt anschauen, danach die Produktion segnen und damit sicherstellen das die Produktion koscher abläuft und gesegnet ist. Beim Schlachten von Tieren geht das sogar soweit, dass immer ein Rabbiner dabei anwesend sein muss und all diese Dinge machen koscheres Essen unglaublich teuer.

Zu meinem Glück ist das HPP aber nicht so koscher, das ich alles koscher kaufen musste, sonder nur das Fleisch und das bekam ich beim Koscher Market Place. Dort bezahlte ich dann für sieben Pfund koscheres Hackfleisch 43$ was umgerechnet rund 32€ sind.

Das Ende vom Lied war, der Deutsche Kartoffel Eintopf hat allen Klienten und auch meinen Kollegen super gut geschmeckt, auch wenn es in diesem Fall eher eine Suppe war und ich soll auf jeden Fall wieder kochen, an einem Donnerstagabend.

Ich hoffe ich konnte euch damit mal einen kleinen Einblick in meinen aktuellen Alltag gewähren und auch ein bisschen was vom jüdischen Alltag zeigen.

Nächste Woche steht dann alles im Zeichen des Truthahns und dem großen Amerikanischen Fest Thanksgiving.

Friendly Visiting

Nachdem die letzten Wochen etwas ruhiger waren im Bezug auf meine Arbeit bei DOROT, möchte ich heute mein Versprechen aus meinem letzten Foto Set eingehen und wieder etwas über meine Arbeit schreiben, genau gesagt wieder das Friendly Visting, denn das hat es echt in sich.

Ich hatte euch ja schon vor vier Wochen von meinem ersten Besuch mit Sylvia berichtet und seitdem habe ich sie fast jeden Mittwoch wieder gesehen. Nachdem wir uns bei unserem ersten Treffen vor allem über die Vergangenheit von uns beiden unterhalten haben. Sind wir mittlerweile jede Woche eher bei intellektuellen Gesprächen angekommen. Da geht es bei uns beiden schon mal darum warum für den Menschen im Alter die Zeit immer schneller vergeht, als wenn er jung ist oder warum die Menschlichen Systeme immer so gebaut sind vom Menschen, das er sie selbst nach wenigen Jahrzehnten wieder zerstört.

Es ist erstaunlich wie fit Sylvia immer noch in ihrem Geiste ist dafür macht ihr allerdings ihr Körper zu schaffen, auch wenn sie für mich einen fitten Eindruck macht, schließlich habe ich schon wesentlich schlimmeres im Zivildienst gesehen, aber sie hat jede Woche mehrere Termine bei Doktoren und wenn sie sich mal am Tag vor unserem Treffen nicht so fühlt dann kann es auch schon mal ausfallen. Das schönste Erlebnis mit Sylvia war allerdings, als sie mich an einem Donnerstagabend angerufen hat als ich gerade am Busbahnhof in Manhatten stand und auf einen Freiwilligen aus Pittsburgh wartete. Sie hat mich am Telefon eingeladen mit ihr am Sonntag in einer Theaterstück zu gehen, dass in ihrem alten College wo sie selber früher zur Schule gegangen ist, aufgeführt wurde. Natürlich habe ich dann meine Karte selbst bezahlt, es waren ja nur 5$ Eintritt, da es nur ein Collegetheater ist, aber das sie an mich gedacht hat als sie die Werbung von ihrem College für das Stück bekam, war dann doch schon ein großes Kompliment für mich und außerdem war das Stück auch noch sehr interessant.

Desweiteren Besuche ich noch Felix ein Holocaust Überlebender, der auf der Upper West Side lebt wo auch DOROT ist und dieses Jahr schon seinen 94. Geburtstag gefeiert hat. Mit ihm hatte ich bis jetzt nur ein Treffen, aber seine Geschichte ist mehr als interessant.

Er kommt ursprünglich aus Polen und musste von dort flüchten als der Krieg begann. Da im Westen die Deutschen waren verschlug es ihn dann nach Russland, wo er später seine Frau kennen lernte und seine Karriere als Tänzer begann. Eigentlich wollte er Schauspieler werden, aber als er das in Russland zu den Leuten sagte, überzeugten die ihn davon, dass es zu viele Schauspieler gebe und er lieber ein guter Tänzer werden sollte, denn als Tänzer kann man immer eine Arbeit finden.

So wurde er also Tänzer und baute sich zusammen mit seiner Frau eine Tanzfirma auf mit der er später Kindern das tanzen lehrte und ihnen eine Hoffnung und Zukunft gab. Als er nach dem Krieg selbst wieder nach Polen zurück kehrte, war dort niemand mehr von seiner Familie und die Menschen sagten zu ihm nur das er lieber nicht dort bleiben sollte. So bereiste er mit seiner Frau zusammen, als Tänzer die ganze Welt, lernte unzählig viele exotische und lokale Tänze kennen und blieb dann am Ende in den USA hängen, als er hier zusammen mit seiner Frau in jüdischen Gemeinden jüdische Tänze lernte.

Das besondere an Felix ist, das er für sich selbst schon komplett mit seinem Leben abgeschlossen hat und so wie er es selber sagt nur noch darauf wartet von oben abgeholt zu werden. In der Zwischenzeit versucht er noch jungen Menschen wie mir etwas mit auf meinen Weg zu geben, indem er mir von seinem Leben erzählt und was für ihn das Leben ausmacht. Felix ist für mich ein sehr bewundernswerter Mensch, denn es ist erstaunlich wie klar er mit seinem Leben abgeschlossen hat und auch zufrieden ist. Auf jede Nachfrage ob er gerne etwas geändert hätte oder noch etwas gemacht hatte ist seine simple, aber doch tiefgründige Antwort nur: “Das war das Schicksal meines Leben.”

Als letztes möchte ich euch noch von meinen Treffen mit Betty und Fred berichten. einem Ehepaar, das wie Sylvia auch auf der East Side lebt und für mich ein Friendly Visiting ist, wie ich es mir vorher, als ich noch in Deutschland war am Ehesten vorgestellt habe.

Denn Fred der Ehemann von Betty hatte leider schon einen Schlaganfall und kann seitdem weder sprechen noch laufen, er hat eine eigene Pflegeschwester für sich und sitzt die meiste Zeit des Tages im Rollstuhl. Betty hingegen ist noch ziemlich fit, wenn auch schon etwas schwach und manchmal ein wenig müder, aber man kann sich noch super gut mit ihr unterhalten. Dieses Umfeld mit Fred und Betty war für mich das, was ich mir vor dem Beginn meines Friedensdienstes am Ehesten von meinen Besuchen mit den Überlebenden gedacht hatte, die Senioren schon wesentlich schwächer und auch mit mehr Gesundheitlichen Problemen. Dazu dann außerdem noch eine für meine Ohren schon fast unglaubliche Geschichte, denn Betty hat den Krieg wirklich von der schlimmsten Seite erlebt.

Ursprünglich kommt sie aus Ungarn und hatte deshalb, als der Krieg damals begann, auch nicht die große Sorge mit ihrer Familie zusammen zu flüchten, denn der Krieg war ja weit weg, aber er sollte dann schneller kommen als sie denken mochten.

Zusammen mit ihrer Mutter und ihren beiden kleineren Brüdern wurde sie nach Ausschwitz gebracht, dort angekommen wurde ihre Mutter mit den beiden kleineren Brüdern sofort vergast, was sie die erste Zeit selbst nicht glauben wollte, bis ihr es jemand sagte, dass sie ins Gas geschickt wurden. Ihr Vater hatte da mehr Glück, er wurde nach Deutschland in eine Arbeiterfabrik geschickt und konnte dort den Krieg durch die für damalige Verhältnisse guten Bedingungen überleben. Betty selbst verbrachte dann fast die gesamte Zeit in Ausschwitz den Krieg über wo sie zusammen mit einer Frau die sie ihre Tante nannte lebte. Kurz vor dem Ende des Krieges wurde dann ihre Tante auf einen Todesmarsch Richtung Bergen-Belsen geschickt und Betty mit dem Zug dorthin transportiert. Dort wurde sie dann auch Schluss endlich befreit und sogar ihre Tante hat den Todesmarsch überlebt, denn der Todesmarsch wurde von den Alliierten sogar früher als sie selbst befreit.

Sie lebte dann nach dem Krieg für sechs Jahre in Schweden ehe sie zu ihren Onkel und Tanten in die USA ging und das obwohl sie eigentlich lieber wieder nach Hause in Ungarn wollte, wo ihr Vater nach dem Krieg weiter lebte bis er vor wenigen Jahren dort starb.

Das sollen sie erst einmal für heute sein drei kleine Einblicke in meine Friendly Visitings und ich denke wie ihr jetzt wisst sind es ziemlich starke Treffen für mich, die mich meistens auch noch nach dem Treffen länger begleiten. Sei es weil man über etwas geredet hat das einen selbst zum Nachdenken bringt, wie mit Sylvia. Man nach dem Treffen denkt, wie Felix nur an seinem Lebensabend zu so einer ausgeglichenen Lebenshaltung gekommen ist oder man über die schreckliche Nazierfahrung von Betty nachdenkt und sich fragt, wie konnte sie nach so etwas noch weiter Leben wollen?